Photovoltaikanlagen sind bei einem Stromausfall nicht automatisch in der Lage, Gebäude weiter mit Elektrizität zu versorgen. Viele Systeme schalten sich aus Sicherheitsgründen ab, sobald die Netzfrequenz wegfällt. Dass eine PV-Anlage ohne zusätzliche technische Ausstattung im Blackout-Fall keinen Strom liefert, ist vielen Betreiberinnen und Betreibern nicht bewusst. In Zeiten wachsender Unsicherheit rückt daher die Kombination aus Photovoltaik und Batteriespeicher mit Notstrom- oder Ersatzstromfunktion zunehmend in den Fokus.
Stromausfälle als Auslöser für steigendes Interesse
Großflächige Stromausfälle – wie sie in den vergangenen Jahren vereinzelt in europäischen Metropolregionen aufgetreten sind – haben das Bewusstsein für Versorgungssicherheit deutlich geschärft. Erfahrungsgemäß wirken solche Ereignisse zeitverzögert auf den Markt: Erst Wochen nach einem Blackout steigt die Nachfrage nach notstromfähigen PV-Systemen spürbar an. Besonders nach großräumigen Netzausfällen wurde ein erhöhtes Interesse an Batteriespeichern und zusätzlichen Backup-Funktionen beobachtet.
Versorgungssicherheit ist dabei weniger ein rein wirtschaftliches Argument als vielmehr ein emotionales Thema. Seit geopolitischen Krisen und Energieengpässen gewinnt der Wunsch nach einer eigenständigen, krisenfesten Stromversorgung deutlich an Bedeutung – sowohl bei privaten Haushalten als auch zunehmend bei Unternehmen.
Notstrom, Ersatzstrom und USV – technische Unterschiede
Bei der Auslegung von PV-Systemen für Krisensituationen wird grundsätzlich zwischen Notstrom und Ersatzstrom unterschieden.
- Notstromlösungen dienen der kurzfristigen Überbrückung eines Stromausfalls und versorgen meist nur ausgewählte Verbraucher mit begrenzter Leistung.
- Ersatzstromsysteme können dagegen das gesamte Hausnetz über einen längeren Zeitraum versorgen, sofern ausreichend Energie im Speicher vorhanden ist oder die PV-Anlage weiterhin Ertrag liefert.
Darüber hinaus existieren unterbrechungsfreie Stromversorgungen (USV), die vor allem in sensiblen Anwendungen wie Krankenhäusern, Leitstellen oder industriellen Prozessen eingesetzt werden. Die Auswahl der passenden Lösung hängt stark vom jeweiligen Anwendungsfall, den Leistungsanforderungen und den Erwartungen der Nutzer ab und erfordert eine sorgfältige Planung.
Technische Umsetzung im Ein- und Mehrfamilienhaus
Eine einfache Form der Notstromversorgung ist eine separat abgesicherte Steckdose, die bei Netzausfall automatisch aktiviert wird und einzelne Geräte mit Strom versorgt. Leistungsfähigere Systeme nutzen zusätzliche Komponenten, die das Gebäude vollständig vom öffentlichen Netz trennen und ein sogenanntes Inselnetz aufbauen. In diesem Fall übernimmt der Batteriespeicher die Versorgung des Hauses, während die Photovoltaikanlage – sofern technisch möglich – weiterhin Energie nachliefert.
Moderne Systeme ermöglichen eine automatische Umschaltung zwischen Netz- und Inselbetrieb. Da die verfügbare Energie im Krisenfall begrenzt ist, setzen einige Konzepte auf eine Priorisierung von Verbrauchern: Kritische Geräte bleiben versorgt, während verzichtbare Lasten gezielt abgeschaltet werden.
Nachrüstung bestehender Anlagen
Auch ältere PV-Anlagen lassen sich grundsätzlich mit Notstrom- oder Ersatzstromfunktionen nachrüsten. In der Praxis ist dies jedoch oft mit Einschränkungen verbunden. Viele Bestandsanlagen wurden ursprünglich auf Volleinspeisung ausgelegt, ohne Berücksichtigung des Eigenverbrauchs oder eines Lastprofils. Für eine Nachrüstung sind häufig ein zusätzlicher Batteriespeicher, ein notstromfähiger Wechselrichter sowie Anpassungen an der Hausinstallation erforderlich. Eine individuelle technische Planung ist daher unerlässlich.
Grenzen der Versorgung im Winter
Die Leistungsfähigkeit einer PV-Notstromlösung hängt stark von den äußeren Bedingungen ab. Bei starkem Schneefall oder sehr geringer Sonneneinstrahlung ist die Stromerzeugung eingeschränkt. An kalten, sonnigen Wintertagen können moderne Module jedoch auch im Winter relevante Erträge liefern, selbst bei diffusem Licht. Dennoch lassen sich große Verbraucher wie Wärmepumpen über längere Zeiträume nur eingeschränkt allein mit PV-Strom betreiben.
Ausblick: Intelligente Systeme und bidirektionale Speicher
Zukünftig könnten intelligente Energiemanagementsysteme eine zentrale Rolle in der Krisenvorsorge spielen. Mithilfe datenbasierter Steuerung lassen sich verfügbare Speicherreserven gezielt für priorisierte Verbraucher einsetzen. Perspektivisch könnten auch Elektrofahrzeuge als zusätzliche Speicher im bidirektionalen Betrieb zur Überbrückung von Stromausfällen beitragen.
Darüber hinaus gewinnen größere Batteriespeicher an Bedeutung – nicht nur für die Notstromversorgung, sondern auch zur Nutzung dynamischer Stromtarife und zur allgemeinen Systemoptimierung. Regulatorische und normative Rahmenbedingungen begrenzen derzeit noch einige dieser Anwendungen, doch die technische Entwicklung schreitet weiter voran.
Einordnung
Photovoltaik in Kombination mit Batteriespeichern entwickelt sich zunehmend von einer reinen Eigenverbrauchslösung hin zu einem Instrument der individuellen Resilienz. Auch wenn sie keine vollständige Unabhängigkeit vom Stromnetz garantieren kann, bietet sie im Krisenfall wertvolle Zeit, Stabilität und Handlungsspielraum – für private Haushalte ebenso wie für Unternehmen.
